Ein Tag im Leben eines Spinners

Die Welle kommt, hoch aufgetürmt, bis ans Ende vom Horizont (Ende vom Horizont?), naja, nicht die Welle. Nein, eben noch schnell eine Megajacht bestellt in Papenburg - da müssen sie aber mal wieder tief baggern (lol) - macht ja nix mehr, die Welt geht eh unter (plub - nee, nicht der mit der, naja ihr wisst schon).

Jaja, wenn ich schon mit der Welt untergehe, dann mit Stil (also Schulden). Der Gerichtsvollzieher wird es eh nicht mehr bis zu mir schaffen.

6:15h, der Wecker piept, Mist, das Bestellfax dann doch nicht abgeschickt - egal, ich hätte die Jacht ja eh nicht mehr bekommen. Schnell aufgestanden, geduscht, ach ne, duschen für den Weltuntergang, so bisschen stinkig auf die Welt sein, das ist heute nicht verboten. Ja dann schnell zum Flughafen, schnell Richtung Westen, der Untergang beginnt ja schließlich im Osten, dort beginnt ja just der Tag. Genau auf den Punkt möchte ich, dann hab ich länger davon.

Also, aufgestanden, Bank ausgeraubt, Porsche geklaut und am Flughafen geparkt, schnell noch mittels Kaltverformung aufgewertet. Ab ein Ticket gekauft und dann mit dem Entzücken des Wahnsinns - herrlich wie die anderen Dumpfbacken nach mir geglotzt haben - in der Stimme an der Schlange vorbeigerannt: "Last, last, last", dann aber doch wieder aufgehört, schließlich will ich ihn geniessen, den Untergang. In der Businesslounge noch schnell Kaviar und Champus genossen, den Duty free leergekauft und die Karte stecken gelassen - war eh nix mehr drauf und die Bank war ja eh ausgeraubt (grumpf, wer macht denn sowas?). Die Angestellte ignoriert, in den Flieger und dann weg. Angekommen im Hindukusch seh ich sie wieder, meine Karte in der Hand im Bankautomaten, Tausende Scheine, so hatten wir nicht gewettet, aber gut, ich stell mich hinter sie. Unschuldig rempel ich sie an, die Karte ist schnell wieder in meiner Hand, dann seh ich die Scheine: "Weltuntergangsdollar, 1. Ausgabe". Selten, meint sie, wie - die Scheine? Nein, Bankautomaten am Hindukusch. Jetzt fällt es mir auf, Volksbank Düren, Düren - da war ich mal zu Besuch, da wohnen doch die Spinner. Jetzt setze ich zur Charming Offensive an, sie scheint zu wirken doch in diesem Moment beginnt es, Erdbeben. Ein starker Stoß lässt mich aufwachen. Wir sind gelandet. Endlich am Ziel, aber ohne Champus, den hab ich nicht mitbekommen, wie schon gesagt, die Karte war nicht gedeckt. Jetzt warte ich ab, ich stelle mich inmitten so vieler Gleichgesinnter auf die Kuppe einer flachen Insel, Wasser um uns herum, wo eben noch der Flughafen war, wird gleich, aber wo ist der Graben? Auf der anderen Seite müsste die Welt doch schon untergegangen sein! Mist, was verpasst.

Jetzt aber, ja, klasse, genial, das Beben, die Wellen werden größer, alle schauen mich an, ich weiß, ich BIN es, ich MUSS es einfach sein, -  der Messias, der Erlöser.

Der Frust ist groß, ich schaue in die stahlenden Augen meines Jungen: Papa, kann ich KiKa? Es ist der 22. Dezember und nichts ist passiert - nur ich, ICH, ausgerechnet ich habe das Ende der Welt verschlafen, so ein Mist. Nein, ich will nicht, kein KiKa, bitte nicht.

 

Sollte je einer vom KiKa diesen Mist hier lesen, ich hab nichts gegen Euch, nichts wirksames, aber auch nicht wirklich - nur ab und zu will man auch wieder andere Sender sehn. (Jetzt hab ich auch schon verraten wer die Macht hat, Mist).